Wohnmobile und Sturm
Ein Wohnmobil bietet dem Wind deutlich mehr Angriffsfläche als eingewöhnlicher Pkw. Besonders hohen Anbauten, Fahrrädern oder Dachboxen können die Kräfte vom Seitenwind zusätzlich verstärkt werden. Der ADAC weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass Wohnmobile, Wohnwagen-Gespanne, Busse und Lkw bei Sturm besonders gefährtet sind. Wie stark ein Fahrzeug tatsächlich auf Wind reagiert, hängt unter anderem von Bauform, Höhe, Beladung und Windrichtung ab. Ein hoher Alkoven kann z.B. eine größere seitliche Angriffsfläche bieten als ein niedriger aufgebautes Fahrzeug.
Seitenwind oft unerwartet
Besonders kritisch sind Situationen, in denen der Wind nicht kontinuirlich, sondern plötzlich auf das Fahrzeug trifft. Das kann z.B. passieren:
- auf Brücken
- beim Verlassen eines Tunnels
- an Waldschneisen
- nach Ende von Lärmschutzwände
- beim Überholen oder Überholtwerden längerer Fahrzeuge
- bei stark wechselnden Windrichtungen
Wie reagiere ich richtig?
Wenn das Fahrzeug plötzlich versetzt wird, ist vor allem Ruhe und eine kontrollierte Reaktion wichtig. Am besten sollte man die Geschwindigkeit reduzieren und das Lenkrad stabil halten. Bei niedriger Geschwindigkeit lässt sich das Fahrzeug bei einer plötzlichen Windböe leichter kontrollieren. Der ADAC empfiehlt deshalb, bei Sturm die Geschwindigkeit zu reduzieren und besonders aufmerksam zu fahren. Und auch der ACE empfiehlt bei starkem Seitenwind, die Geschwindigkeit zu verringern und bei schlechtem Wetter eine Fahrpause einzulegen.
Beim Überholen eines größeren Fahrzeugs kann sich die Windbelastung kurzfristig verändern.Zunächst befindet sich das Wohnmobil teilweise im Windschatten des Lkw oder Busses. Beim Vorbeifahren beziehungsweise nach dem Überholen kann der Seitenwind anschließend wieder deutlich stärker auf das Wohnmobil treffen.Gerade bei starkem Wind sollten Überholvorgänge deshalb gut überlegt sein. Der ADAC empfiehlt bei Sturm generell eine besonders defensive Fahrweise.
Fahrräder auf dem Heckträger sind bei Sturm nicht nur eine zusätzliche Belastung für den Träger. Auch Dachaufbauten und Dachlasten können die Angriffsfläche für Wind erhöhen. Der ADAC nennt unter anderem Fahrräder und Dachboxen als Dachlasten, die die Wirkung des Sturms verstärken können. Das bedeutet nicht, dass solche Aufbauten bei jedem stärkeren Wind automatisch problematisch sind. Bei einer angekündigten Sturm- oder Orkanlage sollte jedoch grundsätzlich überlegt werden, ob die Fahrt mit dem Wohnmobil wirklich notwendig ist.
Wann bleibe ich besser stehen?
Bei schwerem Sturm oder Orkan sollte die Fahrt nach Möglichkeit gar nicht erst angetreten bzw. unterbrochen werden. Der Abstellplatz sollte möglichst sicher gewählt werden. Bäume, lose Äste oder andere Gegenstände können bei Sturm zu einer zusätzlichen Gefahr werden. Die wichtigsten Regeln:
- Geschwindigkeit reduzieren
- beide Hände am Lenkrad
- plötzliche Lenkbewegungen vermeiden
- auf Brücken und in Waldschneisen besonders aufmerksam fahren
- beim Überholen von Lkw mit veränderten Windverhältnissen rechnen
- Dachaufbauten und Dachlasten berücksichtigen
- eventuell Fahrt verschieben
Fazit
Starker Seitenwind ist für ein Wohnmobil nicht zu unterschätzen. Die große Fahrzeugfläche macht das Reisemobil deutlich windempfindlicher als ein kleineres Kfz. Die wichtigste Maßnahme ist hier, die Geschwindigkeit zu reduzieren und die Situation aufmerksam zu beobachten. Ist ein schwerer Sturm angekündigt, sollte man in Erwägung ziehen die Reise zu verschieben.
Quelle
- ADAC, „Sturm und Starkregen: ADAC Sicherheitstipps fürs Autofahren“, 28.01.2026
- ADAC, „Sicher unterwegs bei Sturm und Starkregen“
- ADAC, „Sicher durch den Sturm“
- ACE, „Mit dem Auto sicher durch Gewitter und Starkregen“
- promobil, „Die gefährlichsten Winde für Camper in Europa“, 08.06.2026
- promobil, „So fliegt bei Wind die Wohnmobil-Markise nicht weg“, 30.05.2026