Warum die Maut komplizierter wird
Europa kennt kein einheitliches Mautsystem. Stattdessen hat nahezu jedes Land eigene Regelungen. Entscheiden ist häufig nicht nur das Reiseland, sondern auch:
- das zulässige Gesamtgewicht
- die Fahrzeugklasse, Fahrzeughöhe
- die Anzahl der Achsen
- teilweise Emissionsklasse
Die wichtigste Grenze sind 3,5t
Bei nahezu allen europäischen Mautsystemen, spielt das Gesamtgewicht eine entscheidende Rolle. Bis 3,5t gelten Wohnmobile in vielen Ländern wie Pkw. Meist genügt hier eine Vignette oder die Pkw-Maut. Über 3,5t gelten häufig andere Tarife oder Mautsysteme. Teilweise erfolgt die Abrechnung elektronisch oder nach gefahrenen Kilometern. Deshalb sollte das zulässige Gesamtgewicht bereits bei der Reiseplanung berücksichtigt werden.
- Deutschland: für privat genutzte Wohnmobile derzeit keine eigene Autobahnmaut, auch 2027 bleibt Deutschland für Wohnmobile mautfrei
- Österreich: bis 3,5t gilt hier Vignette & Streckenmaut, über 3,5t die GO-Maut mit elektronischer Erfassung; ab 2027 wird die klassische Klebvignette jedoch abgeschafft und vollständig mit der digitalen Variante ersetzt.
- Schweiz: bis 3,5t gilt die übliche Jahresvignette, über der Tonnengrenze gelten pauschale Schwerverkehrsabgaben
- Italien: streckenabhängige Maut, unterschiedliche Gebühren je nach Fahrzeugklasse
- Frankreich: streckenabhängige Maut, Fahrzeughöhe hier relevant
- Spanien: Privatautobahnen kostenpflichtig, staatliche oft kostenfrei
- Kroatien: streckenabhängig, Bezahlung an Stationen oder elektronisch
- Slowenien, Tschechien, Slowakei: bis 3,5t digitale Vignette, über 3,5t gilt separates elektronisches Mautsystem
- Ungarn: auch hier gilt die digitale Vignette, hier unterscheiden sich die Gebühren je nach Fahrzeugklasse
Belgien: Die größten Neuerungen 2027
Belgien plant zum 01. Mai 2027 die Einführung einer digitalen Straßenvignette für Fahrzeuge bis 3,5t. Das Vorhaben muss zwar noch endgültig bestätigt werden und europarechtliche Prüfungen durchlaufen, Reisende sollten die Entwicklungen aber im Blick behalten. Geplant sind Tages-, Zehn-Tages- und Jahresvignetten. Verstöße sollten mit Bußgeldern geahndet werden. Für viele Camper wäre dies eine grundlegende Änderung, da Belgien bislang für Pkw und viele Wohnmobile mautfrei war.
Die häufigsten Fehler
Viele Bußgelder entstehen nicht wegen einer fehlenden Zahlung, sondern durch kleine Fehler:
- falsche Fahrzeugklasse gewählt
- Kennzeichen falsch eingegeben
- digitale Vignette nicht rechtzeitig gekauft
- Fahrzeug über 3,5t falsch eingestuft
- Streckenmaut zusätzlich zur Vignette vergessen
Unser Tipp
Kaufe digitale Vignetten nur über offizielle Anbieter der jeweiligen Länder oder etablierte Automobilclubs. So vermeidet man am besten unnötige Zusatzgebühren und unseriöse Vermittlungsseiten.
Fazit
Auch 2027 bleibt Europa ein Flickenteppich unterschiedlicher Mautsysteme. Während viele Länder an ihren bisherigen Regelungen festhalten, bringen Österreich und Belgien wichtige Änderungen mit sich. Deshalb sollten sich Camper vorher über die jeweiligen Regelungen informiere, um unnötige Gelder zu vermeiden.
Quellen
ADAC – Informationen zu Vignetten und Maut in Europa.
Österreichisches Bundesministerium / ASFINAG – Umstellung auf die digitale Vignette ab 2027.
Euronews – Geplante Einführung einer belgischen Straßenvignette ab Mai 2027